Wie alles begann

Werte Gäste unseres Hauses, liebe Weinfreunde!

Lesen Sie hier die spannende Entwicklungsgeschichte unseres Betriebes. Anhand den Aufzeichnungen unseres (Schwieger)Vaters Josef (geb. 1939, verst. 2006), der nicht lange vor seinem Tod die Geschichte zurück bis zu seinen Großvater´s Zeiten aufgeschrieben hat, will ich ab dem Jahr 2000 – mit welchem er seinen Bericht beendet hat -versuchen, diesen bis in die Gegenwart festzuhalten.

Begonnen hat alles um die Jahrhundertwende, als der Urgroßvater Christian von Sepp (Jg. 1967, dem heutigen Betriebsführer) – geb. 1876 - aus Amerika zurückkam. Er heirate Anna Fink, wohnhaft in der Kirchengasse und zog mit seiner Familie in die Wasserzeile Nr. 89 - heute Nr. 55 – dieses Haus kaufte er seinem Schwager Johann Fink, ab.
Dieser Ehe stammen die Kinder Josef (geb. 1913) und Franziska (geb. 1922) ab. Urgroßvater Christian war ein geschäftstüchtiger Mann und verkaufte den Weinbauern – es war die Blütezeit des Weinbaus und die Stockkulturen wurden mit Strohgebunden – sein ganzes Roggenstroh. Mit dem Erlös kaufte der 4 Ochsen und finanzierte auch noch den Bau des Hauses, welches im Jahr 1923 bezogen werden konnte. Der Betrieb war 36 Joch (= 20,71 ha) groß.
Gemeinsam mit Sohn Josef (geb. 1913) baute er im Jahr 1927 einen Keller aus Schalbeton (unseren ehemaligen Verkostraum) mit darüber liegenden Schüttkasten für Getreide. Im Jahr 1931 wurde in der "Rohrung" der erste Weingarten gepflanzt.

Im Jahr 1939 heirate Josef (geb. 1913) Ernestine Kracher (geb. 1914) aus der Wasserzeile Nr. 5. Noch im selben Jahr kam Josef (geb. 1939 – unser Schwieger-Vater) zur Welt, 1943 seine Schwester Hilda. Der Krieg war voll im Gange und Josef sen. kam 1945 mit einer schweren Lungenentzündung, von der er sich nicht mehr erholen sollte, zurück. Er verstarb 1948. Die Hydraulikpresse, die er kurz zuvor gekauft hatte, konnte er nicht mehr benutzen – sie steht heute als Erinnerungsstück hinten beim Gästeeingang.

Josef (geb. 1939) und Christian (geb. 1876, gest. 1953) waren nun die Männer im Haus. Es ist Besatzungszeit und die einzige Chance, den Betrieb einigermaßen wirtschaftlich zu führen, ist die Spezialisierung auf den Weinbau, Josef wird von Kindesbeinen an in diese Arbeit eingeführt….. 4000 Stock groß ist der Weingarten. Im Jahr 1953 stirbt Christian, Josef ist nun 13 Jahre alt. Am Betrieb sind nun seine Mutter Ernestine, seine Schwester Hilda (sie heiratet 1964 Stefan Priegl) und Großmutter Anna (geb. 1883, gest. 1965). Josef ist sehr fleißig, kauft den ersten Steyrer-Traktor mit 15 PS, pflanzt Gurken, Mais und Getreide. Seine Liebe galt aber dem Weinbau, er veredelt die Sorten Weißburgunder, Muskat und Traminer – die Ära der Hochkultur beginnt, Familie Kracher ist einer der ersten Betriebe, die 1961 einen 1,5 Joch (=0,86 ha) großen Weingarten aussetzt.

Josef heiratet im Jahr 1962 Elfriede, geborene Thell, geb. 1942, aus der Neubaugasse Nr. 2. Sie bekommen drei Kinder: Anneliese, geb. 1964, Josef/Sepp/Sam, geb. 1967 (der heutige Betriebsführer) und Gertrude, geb. 1971.
Anneliese und Trude arbeiten beide in Wien und haben Familie (2 Töchter bzw. 1 Sohn).
Im Jahr 1965 wurde der große Weinkeller (heute Lagerraum für die großen Holzfässer) unter schwierigsten Bedingungen gebaut, es konnten nun 103 hl Wein gelagert werden. 1973 wird das „Fuchsenloch“ gekauft und bald darauf mit den Sorten Muskat Ottonel, Neuburger und Welschriesling bepflanzt.

Josef jun. war schon in jungen Jahren am Betriebsgeschehen interessiert und schloss im Jahr 1991 die Weinbaufachschule in Eisenstadt mit dem „MEISTERTITEL“ ab. Ich (Sabine) erinnere mich immer wieder gerne an Sepp´s folgender Erzählung: Nach Abschluss der Fachschule füllte er kurz darauf erstmals den Wein in Flaschen ab (an die 900 Stk.). Sein Onkel, Stefan Priegl, der Mann seiner Tante Hilda, meinte dann nur „Jetzt musst du ihn nur mehr verkaufen!!“ Und auch das gelang.

Der Flaschenverkauf wurde von Jahr zu Jahr gesteigert, im Jahr 1996 wurde mit einer Bouvier-Trockenbeerenauslese, Jg. 91, sogar der Titel „BUNDESSIEGER“ ins Haus geholt.

Unser Haus – das Haus Nr. 57 – wird im Jahr 1991 unter schwierigen Umständen und um viel Geld von der Nachbarsfamilie gekauft. Haus ist übertrieben, es war eigentlich bis auf 3 Zimmer auf der Straßenseite eine Ruine. Und in den Jahren danach bis zu unserem Einzug im Jahr 2000 floss noch so mancher Schilling/Euro hinein. Von der Errichtung der Garten- und Hofanlage gar nicht zu sprechen, Sepp verlegte rund 1000 m² Pflastersteine!! Doch – wie man heute sieht, die viele Mühe hat sich gelohnt!

Im Jahr 2000 beschlossen Josef und Elfriede, den Betrieb an Josef jun. (geb. 1967) zu übergeben. Einen Betrieb, der eine wahnsinnig aufregende und spannende Entstehungsgeschichte hat. Die sehr umfangreichen Aufzeichnungen von unserem (Schwieger)Vater enden mit dieser Übergabe. Alles zu erwähnen, was in seiner aktiven Zeit passiert ist, was er angekauft hat an Geräten, Maschinen und Ackerflächen, der Bau vom Rinderstall (heute unsere klimatisierte Weinlagerhalle), der großen Halle…. Es wäre zu umfangreich, dies hier alles zu erwähnen.

Er war ein fleißiger, geschäftstüchtiger Weinbauer, der bis zu seinem Tod im Dezember 2006 eng mit dem Betrieb verbunden war und uns immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Leider blieb mir, Sabine, nicht viel Zeit mit ihm, da ich erst im Jahr 2002 in den Betrieb eingeheiratet habe. Und auch seine Enkelkinder, Katharina (geb. 2007) und Helene Elisabeth (geb. 2010) konnte er nicht mehr kennenlernen.

Nun aber zurück zum Betrieb: Im Jahr 2002 heirateten Josef (geb. 1967) und Sabine (geb. 1975). Sabine hat nach der Matura an der HBLA für Land- und Hauswirtschaft in Sitzenberg/Niederösterreich im Jahr 1995 und dem Lehrabschluss an der Agrarpädagogischen Akademie von Juli 1997 – Jänner 2010 als Beraterin in der Bgld. Landwirtschaftskammer/Bezirksreferat Neusiedl am See, gearbeitet. Nach der Geburt von Katharina im Mai 2007 wurde dieses Dienstverhältnis kurz darauf aufgelöst und im Jänner 2008 mit dem Bau der Ferienwohnungen begonnen. (Fertigstellung September 2008). Unsere Familie ist seit der Geburt von Helene Elisabeth im Mai 2010 komplett.
2003 wurde die Mutterkuhhaltung aufgegeben und der Stall in ein modernst eingerichtetes Presshaus mit einem elektronisch überwachten Kühlsystem umfunktioniert.

2010 setzten wir noch mal auf Qualitätsverbesserung und entschlossen uns für die Errichtung eines funktionellen und ebenerdigen Degustationsraumes, dem "WeinEck".

Unser Betrieb im Jahr 2014:
Wir bewirtschaften 55 ha, davon 7,5 ha Weingarten ( = ca. 50.000l/Jahr), 4 ha Zuckerrüben, 18 ha Saatmais und etwas Getreide.

Der Wein wird zum überwiegenden Teil in der Flasche (wir sind seit 20 Jahren Mitglied einer Füllgemeinschaft), hauptsächlich an Private, einige Restaurants und Vinotheken in ganz Österreich verkauft. Im August 2007 begann die „Ära“ der Lesemaschine, seit dem wird die Weißwein-Ernte zur Gänze mit dieser eingebracht.

Die Vermietung der Ferienwohnungen im Rahmen von „Urlaub am Bauernhof“ hat voll eingeschlagen, wir sind von Ostern bis Mitte November jedes Jahr so gut wie ausgebucht. Eine Erweiterung ist nicht ganz ausgeschlossen.

Oma Elfriede (geb. 1942) ist die gute Seele im (Nachbar)Haus. Ohne sie, ihre Unterstützung, aber auch manchmal auch durch ihre Bedenken, ihre jahrelange Erfahrung in der Landwirtschaft und ihre andere Meinung, wäre so Manches nicht möglich.

Einige Ergänzungen, Februar 2015

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan, was wir natürlich unseren Freunden, Gästen und Weinkunden nicht vorenthalten möchten:

Seit Herbst 2014 heizen wir unseren kompletten Betrieb (2 Wohnhäuser, Ferienwohnungen & das "WeinEck") mit einer modernen Hackgutanlage der Firma Fröhling. Das Holz dafür stammt aus den Wäldern von Sabines Vater.

Mit 1. Jänner 2015 hat Sabine den Bio-Betrieb (Getreide) ihrer Eltern in Nickelsdorf übernommen. Was nun für Hausherrn Sepp bedauetet, des öfternen mal  auch dort auf den Feldern nach dem Rechten zu sehen.

Da uns bekanntlich die Umwelt am Herzen liegt, wird Sepp ab diesem Frühling auf den Einsatz von chemischen Insektiziden verzichten! Statt dessen setzt er sog. "Verwirrungsfallen" gegen den Traubenwickler ein. Näheres erklärt er Euch bei Interesse gerne persönlich.

Ergänzungen April 2017

Das Jahr 2016 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben: Am 28. Arpil hat uns der Frost nahezu die gesamte Ernte genommen!! Rotweinernte gleich null, Weißweinernte sehr bescheiden.

Nun liegt es an uns, unseren Betrieb mit viel Liebe weiterzuführen, um ihn – sofern eine der Mädels Interesse daran hat – diesen „gesund“ an die nächste Generation weiterzugeben.

Verfasst von
Sabine Kracher