Manche Geschichten lassen sich nicht einfach in Zahlen und Jahreszahlen erzählen.
Unsere ist so eine.
Sie ist geprägt von Menschen, von Entscheidungen, von viel Arbeit – und von ganz vielen Momenten, die man vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht, aber die alles ausmachen. Ich bin Sabine - und ich nehme euch hier ein Stück mit durch unsere Geschichte, so wie ich sie kennengelernt und miterlebt habe ...
Wie alles begann – von Mut und neuen Wegen, von Amerika in die Wasserzeile
Wenn ich heute durch unseren Hof gehe, denke ich oft daran zurück, wie alles begonnen hat…
Um die Jahrhundertwende kam unser Urgroßvater Christian (geb. 1876) aus Amerika zurück. Mit vielen Ideen im Gepäck und dem Wunsch, hier etwas Eigenes aufzubauen. Gemeinsam mit seiner Frau Anna entstand in der Wasserzeile unser erster Lebensmittelpunkt.
Er war ein geschickter Geschäftsmann – verkaufte Roggenstroh an die Weinbauern, kaufte davon vier Ochsen und baute sich Schritt für Schritt etwas auf. 1923 wurde das Haus bezogen.
Wenn man sich das heute vorstellt, kann man nur sagen: Da hat jemand wirklich angepackt.
Die ersten Schritte zum Wein
1927 entstand gemeinsam mit seinem Sohn Josef der erste Keller – unser heutiger ehemaliger Verkostraum. Ein Ort, der bis heute ganz viel Geschichte in sich trägt.
Und 1931 wurde in der „Rohrung“ der erste Weingarten gepflanzt.
Ich finde, genau dort hat alles begonnen, was uns heute ausmacht.
Harte Zeiten – und ein starker Zusammenhalt
1939 heiratete Josef (geb. 1913) Ernestine Kracher. Im selben Jahr kam mein Schwiegervater Josef (geb. 1939) zur Welt, 1943 seine Schwester Hilda – mitten in eine Zeit, die alles andere als einfach war.
Der Krieg war eine harte Zeit. Josef sen. kam 1945 schwer krank zurück und verstarb 1948. Eine kurz zuvor gekaufte Hydraulikpresse konnte er nicht mehr nutzen – sie steht heute noch bei uns am Hof und erinnert an diese Zeit. Von da an waren es die Frauen und ein junger Bursch, die den Betrieb weiterführten: seine Mutter, seine Schwester, seine Großmutter – und Josef, der schon früh Verantwortung übernehmen musste.
Mit viel Fleiß entwickelte sich der Weinbau weiter: 4000 Rebstöcke, der erste Steyr-Traktor mit 15 PS, und die ersten veredelten Sorten wie Weißburgunder, Muskat und Traminer.
Wenn ich diese Geschichten höre, spürt man, wie viel Kraft und Zusammenhalt damals notwendig waren.
Die Familie wächst – der Betrieb auch
1962 heiratete Josef meine Schwiegermutter Elfriede – und damit begann eine neue, lebendige Zeit am Hof. Mit Anneliese (1964), Sepp – also meinem Mann (1967) – und Gertrude (1971) wurde es bunt, laut und voller Leben.
Gleichzeitig wurde viel geschaffen:
1965 der große Weinkeller – unter wirklich schwierigen Bedingungen – und 1973 der Kauf des „Fuchsenloch“.
Ich stelle mir oft vor, wie viel Mut und Arbeit hinter diesen Entscheidungen gesteckt hat.
Sepp übernimmt – und geht seinen Weg
Sepp war von klein auf mitten im Geschehen. 1991 schloss er die Weinbauschule in Eisenstadt mit dem Meistertitel ab.
Eine Geschichte erzählt er immer wieder gerne:
Seine ersten 900 Flaschen hat er selbst abgefüllt – und sein Onkel meinte nur:
„Jetzt musst du ihn nur mehr verkaufen!“
Ein Satz, über den wir heute noch schmunzeln. Und genau das hat er gemacht.
Der Verkauf entwickelte sich hervorragend – und 1996 kam mit einer Trockenbeerenauslese der Titel „Bundessieger“ ins Haus.
Und nebenbei wurde auch noch unser Haus Nr. 57 gekauft – eine halbe Ruine, in die unendlich viel Arbeit geflossen ist. Allein Sepp hat rund 1000 m² Pflastersteine verlegt …
Unser gemeinsamer Weg beginnt
Im Jahr 2000 haben wir den Betrieb übernommen.
2002 haben Sepp und ich geheiratet – und ich bin Schritt für Schritt in den Betrieb hineingewachsen.
2003 wurde die Mutterkuhhaltung aufgegeben und der Stall zu einem modernen Presshaus umgebaut.
Mit der Geburt unserer Töchter – Katharina (2007) und Helene (2010) – wurde unser Familienglück komplett.
Nach vielen Jahren als Beraterin habe ich mich ganz für den Betrieb entschieden – und wir haben gemeinsam die Ferienwohnungen aufgebaut. Seit 2008 sind sie ein fixer Bestandteil unseres Hofes.
Nachhaltig weiterdenken, investieren & genießen
In diesen Jahren wurde laufend weiterentwickelt und investiert: ein moderner Degustationsraum („WeinEck“), nachhaltige Energie durch Photovoltaik und Hackgutheizung sowie viele Verbesserungen für unsere Gäste.
Gleichzeitig blieb das Leben am Hof authentisch – mit Oma Frieda als guter Seele, frischen Eiern von den eigenen Hühnern und vielen kleinen Momenten, die das Leben hier besonders machen.
Und ja – wir waren viele Jahre richtig gut gebucht: Von Ostern bis Martini oft nahezu durchgehend. Das erfüllt einen schon mit Stolz.
Herausforderungen & neue Wege
Dann kam Corona.
Lockdowns, Unsicherheit – und plötzlich war alles anders.
Aber genau in dieser Zeit haben wir gemerkt, was alles möglich ist.
Das „Rohrdachl“ ist entstanden, neue Ideen wurden geboren, wir haben investiert, weitergedacht.
Auch wenn es nicht immer einfach war – aufgeben war nie eine Option.
Die nächste Generation wächst hinein
Ein ganz besonderer Abschnitt – vor allem für mich als Mama.
Katharina ist ihren Weg gegangen: Weinbauschule, Praktika, Ausbildung – und jetzt ist sie Teil des Betriebs.
Mit Facharbeiterabschluss, Jungsommelier und ganz viel Engagement bringt sie frischen Wind mit.
Man merkt: Da wächst etwas weiter.
Neues schaffen & nach vorne schauen
Die letzten Jahre waren geprägt von großen Projekten: Umbau „Fuchsenloch“, Neugestaltung der „Rohrung“, neue Ideen im Weinbereich, unser Online-Shop …
2025 war ein richtig schönes Jahr – mit über 1000 Nächtigungen.
Auch wenn sich vieles verändert hat und Gäste heute oft spontaner buchen.
Und jetzt? Sepp und Katharina im Keller, ich im Haus und Büro – und im Kopf schon wieder neue Ideen.
Unsere Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Und ich freue mich auf alles, was noch kommt.